„Einer sollte sich so um den anderen kümmern, wie er sich um sich selbst kümmert“, erklärte der Gruppenleiter im Selbsterfahrungstraining. Einer der Teilnehmer hatte nämlich gefragt, auf welche Weise sich vorzugsweise Beziehungen positiv verändern lassen.

Ich dachte: Woher hat er das wohl, zumal er bislang so gar nicht als christlich orientierter Mensch und Analytiker hervorgetreten war? Das hört sich doch so ähnlich an wie: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“.

Doch es ergaben sich für diese Regel gute Gründe, nämlich: Wenn wir Menschen uns nur auf das beziehen, was wir vom anderen haben wollen, dann vertun wir die Chance, den anderen und seine Bedürfnisse und Erwartungen besser kennenzulernen. Aber gerade dies bringt uns dahin, mehr vom anderen zu haben. Wer sich für die Wünsche und Sehnsüchte anderer Menschen interessiert, kann erleben, dass sich diese wie Blumen im Frühling verhalten: Sie blühen auf und öffnen sich.

Es gibt allerdings Menschen, die Hemmungen haben, solche Zuwendung anzunehmen, weil sie nicht glauben können, dass sie es wert sind oder dass es jemand wirklich gut und ehrlich mit ihnen meint. Und aus schwierigen Erfahrungen mit ihnen kommt dann leicht das Wort von der verlorenen Liebesmüh‘ auf.

Einer, der die Erfahrung der „verlorenen Liebesmüh“ nur zu gut kannte, war der Apostel Paulus. Als er an einen Punkt kam, wo seine Beziehung zu sich selbst, zu Gott und zu Menschen schwer gestört war, erhielt er ein Versprechen seines Herrn: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Er entschloss sich daraufhin, die eigene Schwachheit einzugestehen und auf Gottes Kraft und Liebe zu vertrauen - und wurde nicht enttäuscht, weil er die Einladung Jesu, des guten Hirten annahm: „Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan“ (Matthäus 7,7).

Diese Einladung gilt noch heute.

  Lauter Hartmut 2014 web

Hartmut Lauter
GRZ Krelingen