Noch klingen uns die Weihnachtslieder im Ohr. Noch ist uns der „holde Knabe mit lockigem Haar“ vor Augen, das „süße Jesulein“ in der Krippe. Aber schon sind wir in der Passionszeit. Aus dem Kind in der Krippe, vor dem sich Könige fürchteten und Gelehrte verneigten, ist der geworden, von dem die Bibel in Jesaja 53 sagt: „Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit.“

Gefürchtet war er immer noch, aber mit dem Todesurteil, das über ihn gesprochen wurde, schien diese Furcht aus der Welt geräumt werden zu können. Es gab auch welche, die sich vor ihm verneigten – aus Spott. Auf dem „lockigen Haar“ steckte eine Dornenkrone. Statt wertvoller Gaben hatte man für ihn nur ein grob gezimmertes schweres Holzkreuz übrig, das er selber zur Hinrichtungsstätte tragen musste.

Nein, dieser Jesus hatte mit dem Kind in der Krippe nichts mehr gemeinsam. Er war der Mann der Schmerzen und des Leidens geworden. Doch gerade darin erfüllte sich seine Bestimmung: „Er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ So geht der Abschnitt in Jesaja 53, die prophetische Schau über Jesus von Nazareth, weiter.

Jesus trug weit mehr als das Kreuz. Alles, was uns Menschen von Gott trennt, lag auf ihm – damit wir es nicht tragen müssen und darunter zusammenbrechen. Sein Leiden und Sterben öffnet uns die Tür zum Leben.

 

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Henry Wilker
GRZ Krelingen