Er war noch nicht lange unterwegs, sein Wagen hatte eben die Stadt verlassen. Nun rumpelte die Staatskarosse über die holprige Landstrasse, die hinunter zur Ebene führte. Der Minister aus Nubien saß hinten im Wagen und las halblaut murmelnd vor sich hin. Er hatte in Jerusalem eine Bibelhandschrift gekauft, den Propheten Jesaja. In Griechisch, der Weltsprache von damals. Was sollte das bedeuten? Er las und las wieder: von einem Menschen, der sich wehrlos hinrichten ließ. „Er wurde wie ein Schaf zur Schlachtbank geführt“. Dann sollte sein Leben von der Erde weggenommen werden. Wer könnte das sein? Eine kurze Autobiographie des Propheten? Leicht zu verstehen waren sie nicht, die heiligen Schriften der Juden.

Dann tauchte ein Fußgänger neben seinem Wagen auf. Der fragte ihn höflich, aber bestimmt, ob er denn auch verstehe, was er da lese. Kunststück! Wenn ihn keiner dazu anleitet! Er bat den Wanderer, neben ihm Platz zu nehmen. Und der fing an, ihm von Jesus Christus zu erzählen. Der sei dieses Opferlamm, von dem Jesaja redete. Jesus sei Gottes Sohn, also dem Wesen nach Gott, der die Sünde der Welt auf sich genommen hat.

In Klammern gesagt: Das ist nicht nebensächlich. Denn wenn Jesus und Gott der Vater nicht wesensmäßig eins wären, was würde das über Gott aussagen? Was wäre das für ein Gott, der irgendeinen Menschen nimmt und ihn am Kreuz krepieren lässt, nur weil er selbst ein Problem mit dem Menschen hat? Doch die Liebe Gottes sieht anders aus: Er geht selbst ans Kreuz, damit das Problem der Schuld aus der Welt geschafft wird. Gott ist in Jesus und bezahlt den Preis, damit wir Leben haben können.

Um eine längere Geschichte kurz zu machen: Der Minister fasste Vertrauen zu diesem Jesus. Er bekundete seinen Glauben sogar damit, dass er sich taufen ließ – vor den Augen seiner Diener!

Lesen wir überhaupt noch in der Bibel, geschweige denn im Alten Testament? Und wenn ja, was finden wir darin? Schwer verständliche Geschichten? Tiefe Lebensweisheiten? Vielleicht müssen wir wie jener Afrikaner erst einmal darauf gestoßen werden, ganz einfach nach Jesus in der Bibel zu suchen. Im Alten Testament ist er das verborgene Thema, und im Neuen Testament tritt er selber auf, lebt, wird gekreuzigt, stirbt und wird in Gottes Dimension auferweckt, damit wir Leben haben. Jesus von Nazareth, der menschgewordene Gott.

 

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Pastor Dr. Manfred Dreytza
... leitete viele Jahre das Krelinger Studienzentrum