Einer der größten Clowns, Oleg Popov aus dem Moskauer Staatszirkus, konnte mit seinen Späßen die Zuschauer in der Manege nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Nachdenken bringen. Seine Nummern waren humorvoll, aber auch tiefsinnig.

Bei einer Vorstellung ist die Manege am Anfang ganz dunkel. Ein Scheinwerfer geht an und wirft einen winzigen Fleck Licht in das Rund der Manege. Oleg Popov kommt aus der Dunkelheit heraus mit weitem Mantel, großen Schuhen und einem kleinen Koffer in der Hand. Er geht auf den kleinen Fleck Licht zu, nimmt Platz und aalt sich im warmen Licht. Das Licht aber wandert weiter. Der Clown läuft natürlich hinterher. Aber der Lichtfleck entweicht, er muss wieder hinterher, kann diesmal den Lichtstrahl erhaschen. Wieder streckt sich Popov aus und räkelt sich im wärmenden Licht. Als der Strahl wieder wandert, versucht der Clown das Licht mit dem Köfferchen einzufangen. Es gelingt ihm. Aber der ganze Zirkus ist damit dunkel. Da öffnet er seinen Koffer und blitzschnell ist es taghell im ganzen Zirkus.

In den schönen Maitagen empfinden wir das Wohltuende von Licht und Wärme, besonders im Gegensatz zu den dunklen Wintertagen. Unsere Seele atmet durch die Sonne auf. Jesus benutzt dieses Bild des Lichtes auch. In ihm ist das Licht und das Leben verborgen. Im Johannes-Evangelium 8,12 sagt Jesus: „Ich bin das Licht der Welt.“ Dieses Licht lässt sich nicht in einen Koffer einschließen. Die Freude, die ins Herz einzieht, bleibt nicht für sich und steckt andere an.

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Roland Hees
Dozent für Altgriechisch und Hebräisch im Krelinger Studienzentrum