Um Konflikte im ländlichen Raum ging es beim 31. Krelinger Bauerntag am 23. November. In einer biblischen Betrachtung sagte Pastor Andreas Beneke (Rhade), der Mensch sei ein „konfliktfreudiges Wesen“ und reife an Konflikten. Die Bibel beschönige Konflikte nicht, wie zum Beispiel die Geschichte von Kain und Abel zeige. Unter Landwirten seien Neid („Wer hat den größten Trecker?“) und der Streit um Flächen häufige Konfliktfelder. Als Dorfpastor erlebe er auch, dass häufig gegen das achte Gebot („Du sollst nicht falsch Zeugnis reden“) verstoßen werde.Aus der Bibel könne man einen konstruktiven Umgang mit Konflikten lernen, indem man sich zum Beispiel frage, was dem anderen diene und die Liebe zum "Maß aller Dinge" mache.

"Allianz der Vernünftigen bilden"

Walsrodes Bürgermeisterin Helma Spöring wie auf die „rasanten Veränderungen“ in der Landwirtschaft hin. Waren früher alle Bewohner eines Dorfes von der Landwirtschaft geprägt und abhängig, seien die Dörfer heute meist nur noch „Schlafdörfer“. Der Wandel in der Landwirtschaft sei nur gemeinsam mit der Gesellschaft zu bewältigen. Hier gäbe es noch manche Gegensätze, etwa wenn zwar von vielen Verbrauchern ökologische Landwirtschaft gefordert würde, es aber keine entsprechende Nachfrage dafür gäbe. Den Landwirten riet sie, die Diskussion mit der Gesellschaft nicht zu scheuen. „Wir müssen mehr miteinander reden und nicht übereinander reden“, so Spöring. Wo möglich sollten sich Landwirte auch in die Kommunalpolitik mit einbringen.

Der Vizepräsident des Niedersächsischen Landvolkverbandes, Jörn Ehlers (Kirchlinteln), wies darauf hin, dass die niedersächsische Landwirtschaft mit 14 Prozent der Beschäftigten zweitwichtigster Arbeitgeber nach der Automobilindustrie sei. Aber viele sähen für ihren Betrieb keine Zukunft. Gründe dafür seien hohe Umweltauflagen aber auch an die zunehmende gesellschaftliche Kritik. Gegenüber Organisationen, für die der Protest ein „Geschäftsmodell“ sei, müsse sich eine „Allianz der Vernünftigen“ bilden, so Ehlers. Es gehe zum Beispiel nicht an, dass in Deutschland das Unkrautmittel Glyphosat verboten würde, aber mit Unkrautmitteln behandelte Billig-Produkte aus dem Ausland importiert würden.

"Das Maß ist voll"

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion sagte der Präsident des Bremischen Landwirtschaftsverbandes, Hilmer Garbade, er beobachte eine zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft. Dazwischen werde die Landwirtschaft „zerrieben“. In den Medien entstehe häufig ein verzerrtes Bild von Landwirtschaft. Garbade begrüßte die aktuellen Proteste der Landwirte, an der sich auch Bio-Bauern beteiligen. Landwirtschaft müsse „mit einer Stimme sprechen“. Die zunehmenden Verordnungen, Gesetze und Auflagen zeigten: „Das Maß ist voll“. In dem Zusammenhang kritisierte Garbade auch die Kirchen. So nähme er bei Kirchentagen Kirche eher als „Scharfmacher“ gegenüber Landwirten wahr. Er vermisse bei der Kirche oft die Dankbarkeit gegenüber der Landwirtschaft und dem, was Landwirte für die Gesellschaft tun.

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