BullandAls ein „Wunder biblischen Ausmaßes“ bezeichnete Karin Bulland (Foto) die Friedliche Revolution in der DDR im Herbst 1989. Selbst war die gebürtige Thüringerin, die heute in Zwickau lebt, nicht daran beteiligt. Auf dem Mauerfall-Kongress, der vom 7. bis 10. November im GRZ Krelingen stattfand, berichtete sie aus ihrem Leben.

Heilung durch Vergebung

Als eine, die vom Sozialismus und seinen Ideen überzeugt war, wollte Karin Bulland „die Welt verbessern“. Aber als sie es wagte, offen auf Missstände des planwirtschaftlichen Systems hinzuweisen und sich für Menschen am Rande der DDR-Gesellschaft einzusetzen, wurde sie als „dekadentes und negatives Element“ in die Psychiatrie eingewiesen. Schwer traumatisiert und an Körper und Geist verwundet überlebte sie die Misshandlungen und die Folter nur knapp. Erst als sie zum christlichen Glauben fand und ihren Peinigern vergeben konnte, begannen die seelischen Wunden zu heilen. Heute erzählt sie im In- und Ausland – unter anderem in China und Nordkorea – ihre Geschichte und engagiert sich in der Versöhnungsarbeit an Menschen mit einem ähnlichen Schicksal wie ihrem.

Im Rahmen des Krelinger Kongresses bat Karin Bulland Pfarrer Matthias Storck (Herford) um Vergebung für das, was ihm in der DDR angetan worden war. Als Student wurden er und seine spätere Frau in Greifswald wegen ihres Engagements gegen den Wehrkundeunterricht in der DDR unter dem Vorwurf des geplanten „ungesetzlichen Grenzübertritts“ im Oktober 1978 verhaftet. Nach 14 Monaten in Haft im Zuchthaus Cottbus wurde er von der Bundesregierung im Dezember 1979 aus der Haft freigekauft und in die Bundesrepublik Deutschland entlassen.

Früchte der Friedlichen Revolution nicht verderben lassen

Der frühere Direktor der Berliner Stadtmission, Pfarrer i. R. Hans-Georg Filker (Berlin), sagte beim Krelinger Mauerfall-Kongress, die Früchte der Friedlichen Revolution dürften nicht verderben. Viele würden mit „Ängsten vor dem Abstieg“ spielen, so Filker. Aber gerade bei Christen dürfe es keinen Platz für Zukunftsängste geben. Während die Revolution vor 30 Jahren ohne Gewalt verlaufen sei, gebe es heute regelrechte „Gewaltorgien“ im Internet. Ziel seien oft Ausländer. Hier müssten Christen widersprechen, ebenso dem zunehmenden Antisemitismus.

Ähnlich äußerte sich auch der Direktor des Diakonissen-Mutterhauses Elbingerode (Harz), Pfarrer Reinhard Holmer: Den Gewinn der Freiheit durch die friedliche Revolution gelte es zu erhalten. Zugleich bedauerte Holmer, dass ein „Gott sei Dank“ in den offiziellen Stellungnahmen zum Mauerfall nicht zu hören sei.

Der "Stadt Bestes" suchen

Jörg Swoboda, Pfarrer und Liedermacher aus Buckow (bei Berlin), berichtete, wie er die Wendezeit erlebt hat. "Das war Wahnsinn", sei eine der verbreitesten Redewendungen zu der Zeit gewesen. Obwohl viele Christen unter dem DDR-Regime gelitten hätten, seien sie nicht verbittert gewesen. Christen sollten heute ein "Gelübde" ablegen, wieder Salz der Erde zu sein. Das Mauerfall-Jubiläum sollte Anlass sein, das "Beste der Stadt" zu suchen.

Musikalisch begleiteten Jörg Swoboda und Pianist Andreas Reimann (Stendal) den Krelinger Kongress. Unter dem Motto „Gott sei Dank“ gestalteten sie einen Konzertabend zum Tag des Mauerfalls.

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Hans-Georg Filker Reinhard Holmer Andreas Reimann und Jörg Swoboda